Die Heißluftballons von Kappadokien

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Ich war nun schon acht Tage im teuren Istanbul. Viel länger als eigentlich geplant. Der Verlust meines Notebooks und das nass-kalte Wetter ließen mich in meine erste handfeste Sinnkrise fallen. Phlegmatisch und unmotiviert gammelte ich mich von einem Tag zum nächsten – und Ich hatte absolut keinen Schimmer, wohin es als nächstes gehen soll. So konnte es nicht ewig weiter gehen. Es musste also ein Plan her. Und zwar schnell! Schließlich brachte mir ein im Aushang eines Reisebüro liegendes Foto die zündende Idee. Darauf zu sehen: Ein Meer aus Heißluftballons, schwebend über einer skurrilen Mondlandschaft. Dazu Sonnenschein mit blauem Himmel. Genau das, was ich brauchte!

Ich entschließe mich, nicht von Istanbul nach Ankara zu trampen. Zu weitläufig die schier endlosen Vorstädte dieser Megametropolen, zu kurz die Tage und zu kalt die Nächte, um draußen zu schlafen. Im Bus in Richtung Kappadokien werde ich das mal erste mit der „wirklichen“ Türkei konfrontiert.  Zwei Stunden Verspätung halten den Busfahrer nicht davon ab, eine Dreißigminütige Betpause einzulegen. Im Kollektiv für alle, versteht sich! In Deutschland unvorstellbar.

Kappadokien liegt in Zentralanatolien. Mitten in der heutigen Türkei. Geformt in Millionen von Jahren durch unzählige Vulkanausbrüche, bietet sich heute ein Anblick auf unwirkliche, skurrile Steinwüsten mit abertausenden Höhlen, Schluchten und Pfaden.

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Schon vor etwa Siebentausend Jahren ließen sich hier die ersten Menschen nieder. Oft waren es Minderheiten, die Schutz vor den großen Imperien suchten. So versteckten sich hier etwa die Christen vor den Römern. Dörfer, Kirchen, ja ganze unterirdische Städte entstanden hier zu dieser Zeit. In Uchisar, dem Nachbarort von Göreme, lässt sich sogar noch eine alte Felsenfestung bestaunen. Der Ausblick von hier oben ist Fantastisch!

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Im Dorf treffe ich unter anderem auf Roonui und Elyse. Wir suchen uns eine der vielen Höhlen aus und beschließen, dort die Nacht zu verbringen. Wir kochen, spielen Gitarre, trinken süßen, kappadokischen Wein, haben einen Heidenspaß. Spätestens hier wird mir wieder klar, wie wichtig die Leute sind, auf die man unterwegs trifft. Die schönsten Erinnerungen sind eben nur halb so wunderbar, wenn man sie nicht teilen kann!

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Über die Jahre entwickelte sich Kappodien zum meistüberflogenen Gebiet für Heißluftballons der Welt. Sage und schreibe 150 von ihnen lassen sich an sonnigen Tagen hier am Himmel ausmachen. Und Kappadokien hat viele Sonnige Tage.

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„Only One Hundred Euros“, so offerierte man mir hier eine Ballonfahrt bei Sonnenaufgang. Dennoch, ich lehne ab und lasse die Ballonfahrt für diesmal bleiben. Schmerzhaft beschließe ich, genau an dieser Stelle zu beginnen, den Verlust meines Notebooks zu kompensieren. Das A und O für Langzeitreisende: Disziplin beim Budget!

Stattdessen genießen Roonui und ich die Aussicht vom Hügel aus. Ich weiß nicht, wie der Blick vom Ballon ist. Der vom hier jedenfalls, beeindruckt mich voll und ganz!

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Wer nicht gerade mit dem Ballon unterwegs ist, kann seine Zeit auch in einem der vielen Täler hier verbringen.

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Insgesamt blieb ich eine ganze Woche Kappadokien. Meine Sinnkrise überstanden und neue Freunde gewonnen, habe ich wieder Hunger. Hunger auf Mehr! Mehr Ostanatolieni. Mehr Autostopp. Mehr Natur. Mehr Menschen. Mehr naher Osten!

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