FOOD NOT BOMBS: Mit dem Einkaufswagen kreuz und quer durch Istanbul

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Vier Wochen war ich nun schon auf dem Balkan unterwegs. Nach dem mich die Menschen zwischen Alpen und Bosphorus mit so viel Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit willkommen hießen, war es für mich an der Zeit, etwas zurückzugeben. Diesmal mehr als nur ein dankendes Lächeln. Da kam mir Food Not Bombs ganz gelegen.

Was ist Food Not Bombs?

Das Prinzip ist ganz einfach: Du sammelst Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden würden, aber an sich noch einwandfrei sind, kochst daraus gemeinsam mit anderen Leuten was anständiges zu essen und verteilst dieses anschließend kostenlos auf der Straße. Im besten Fall an Bedürftige.

Sammeln

In der Regel ist Food not Bombs vegan. Weniger aus Prinzip, sondern viel mehr, da es einfach wesentlich unkomplizierter ist, „altes“ Obst und Gemüse zu verarbeiten als Fleisch- oder Milchprodukte. You never know!

Das ganze lief dann bei uns so ab: Mein Kumpel Tolga und ich nahmen uns einen Einkaufswagen, zogen damit durch die Häuserblöcke und fragten einfach jeden Obst- und Gemüsehändler den wir sahen, ob er denn noch Sachen hat, die er uns überlassen würde und ansonsten sowieso wegschmeißen würde. That’s it! Nach weniger als einer Stunde hatten wir fast einen ganzen Einkaufswagen vollgeladen. Und das sei immer noch weit unter Durchschnitt, so erzählte man mir später.

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Kochen

Zubereitet wird das ganze dann an einem Zentralen Ort, der auf der Website von Food not Bombs organisiert und bekannt gegeben wird. In unserem Fall war es ein Cafe, welches sich sogar jede Woche dazu bereit erklärt, seine Räumlichkeiten den „Foodbombern“ bereitzustellen. Was ich an FNB sehr mochte war, dass dort wirklich Leute unterschiedlichster Couleur zusammenkommen.

Studenten, Kneipenwirte, Kinder, Reisende, Hippies, Anarchisten, Ärzte – Und sogar Oma von nebenan. Man kommt schnell in’s Gespräch, tauscht sich aus, knüpft Kontakte. Ich konnte an dem Abend sogar meinen Couchsurf für die nächste Nacht organisieren!

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 Verteilen & Essen

Nach dem Kochen muss das Essen dann nur noch an den Mann und die Frau gebracht werden. Ich weiß nicht, wie andere Gruppen das so machen. Wir zogen jedenfalls gemeinsam durch die Straßen und machten lautstark auf uns und unsere Sache aufmerksam!. Ich kann nicht genau sagen, was man hier so in Istanbul durch die Straßen ruft, da mein türkisch mehr als dürftig ist und sich für mich  in etwa alles wie „Gümhüllömnümmnümm“ anhört, aber ich gehe mal davon aus, dass die Leute in unsere Gruppe den Leuten grob unsere Sache erklärten und Ihnen den Ort der Essensausgabe mitteilten.

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Wieder zurück, bauten wir den Stand auf und brachten das Essen auf die Straße. Wenig später trudelten auch schon die ersten Gäste ein. Trotz des schlechten Wetters und der Dunkelheit war unser Essen schon nach etwas weniger als einer dreiviertel Stunde komplett verputzt.

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Immerhin mehr als 50 Leute hatten wir an diesem Abend satt bekommen. Und das mit Lebensmitteln, die bereits für die Mülltonne bestimmt waren. Ich finde, dass das tief blicken lässt, wie unsere Wegwerfgesellschaft mir ihren Ressourcen umgeht. Im allgemeinen, nicht nur mit Lebensmitteln! Wenn du auch mitmachen willst: Hier die Links zur deutschen und internationalen FNB-Seite.

In diesem Sinne: Bon Appetit. Oder wie man hier in der Türkei sagt: Afiyet olsun!

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